5WV 022B

Kirchenschaffnei Meisenheim

1387-1958

Umfang: 63

lfd. Nummern: 249

Akzessionsdatum: 1968

Findmittel: 1933, 1999

Signatur: 5WV 022B

Kirchenschaffnei Meisenheim PDF 228 KB

Nach Einführung der Reformation im Herzogtum Pfalz-Zweibrücken in den 1520er Jahren stellte sich auch in Meisenheim die Frage, wie mit dem Kirchenvermögen umzugehen sei. Während das Vermögen der aufgelösten Meisenheimer Bruderschaften sowie der ebenfalls aufgelösten Johanniterkomturei in den allgemeinen Staatshaushalt übergingen, blieb die Kirchenfabrik als Vermögensträger in der Oberamtsstadt Meisenheim wie in allen anderen Kirchen des Oberamts zunächst bestehen. Ihre Hauptaufgaben waren die Übernahme von Baulasten für kirchliche Gebäude, von Gottesdienstkosten sowie von Besoldungsleistungen. Erst 1567 wurde das Vermögen sämtlicher Kirchenfabriken des Oberamts Meisenheim zu einer einheitlichen Kirchenschaffnei zusammengeführt und von einem Kirchenschaffner verwaltet. Eine vergleichbare Entwicklung hatte es bereits 1565 im Oberamt Bergzabern-Neukastel und 1566 im Oberamt Zweibrücken gegeben. Neben den Kirchenschaffneien der Oberämter bestanden in Pfalz-Zweibrückem die Klosterschaffneien der säkularisierten Abteien Disibodenberg, Hornbach, Werschweiler und Offenbach. In ihnen wurde das Vermögen dieser Abteien verwaltet. Da es zwischen der Klosterschaffnei Disibodenberg (auch Odenheimer Schaffnei genannt) und der Kirchenschaffnei Meisenheim von Anfang an enge Verbindungen gab – die Klosterschaffnei hatte die Baulast für viele Kirchen der Kirchenschaffnei zu tragen, der Kreis der Bezieher von Besoldungsleistungen beider Schaffneien war fast identisch –, wurden sie seit 1749 in Personalunion von demselben Schaffner verwaltet und 1801 auch formalrechtlich zusammengelegt. Diese nun vergrößerte Meisenheimer Kirchenschaffnei wurde jedoch in der französischen Zeit von der Grenze zwischen dem Saar- und dem Donnersbergdepartement durchschnitten, die nach dem Wiener Kongress als Landesgrenze zwischen dem hessen-homburgischen Oberamt Meisenheim (1866 der preußischen Rheinprovinz angegliedert) und der bayerischen Pfalz bestehen blieb. Aus diesem Grund wurde 1815 der pfälzische Teil als selbständige Kirchenschaffnei Obermoschel ausgegliedert. Die aus dieser Teilung erwachsenen Vermögensauseinandersetzungen zogen sich noch bis 1870 hin. Seit dem 19. Jahrhundert ist das Vermögen der Meisenheimer Kirchenschaffnei so stark geschrumpft, dass sie heute zu einem reinen Zuschussfonds geworden ist.

Der Archivbestand enthält außer den Unterlagen der Meisenheimer und der Disibodenberger Schaffnei auch die der Kellerei Moschel-Landsberg, also der für die staatliche Vermögensverwaltung im Amt Moschel-Landsberg zuständigen Behörde. Wie diese Akten in das Kirchenschaffneiarchiv gelangt sind, lässt sich nicht mehr ermitteln. Der Bestand gliedert sich in die drei Abteilungen Urkunden, Akten und Rechnungen. Bei den 26 Urkunden (1387-1676) handelt es sich größtenteils um Kaufverträge. Daneben existiert ein Urkundeninventar aus dem 17. Jahrhundert über Stiftungen u.ä. der Jahre 1327 bis 1616. Die Aktenabteilung besteht aus den nach den drei Hauptgruppen Meisenheim (1575-1866), Odernheim/Disibodenberg (1490-1793) und Moschel-Landsberg (1555-1810) gegliederten Generalakten, aus den alphabetisch nach Ortsnamen geordneten Spezialakten (1474-1849) sowie aus der sogenannten Jüngeren Abteilung (1785-1947), deren Schwerpunkt auf der Verwaltung der Schaffnei im 19. und 20. Jahrhundert liegt. Die Rechnungsabteilung enthält die Rechnungsbücher und Rechnungsbelege der Meisenheimer Kirchenschaffnei (Rechnungen 1567-1958, Belege 1671-1933), der Disibodenberger Klosterschaffnei (Rechnungen 1581-1800, Belege 1654-1799) der Moschel-Landsberger Kellerei (Rechnungen 1473-1769, Belege 1615-1740). Die Rechnungs- und Belegebücher weisen teilweise Lücken auf. Die Spezialia der Aktenabteilung betreffen folgende Orte: St. Alban, Albersbach, Alsenz, Anthesberg, Apweiler, Bayerfeld, Becherbach, Bergen, Biebelsheim, Bisterschied, Bingen, Breitenheim, Bretzenheim, Büdesheim, Callbach, Cölln am Alsenz, Cronenberg, Desloch, Diefenbach, Dielkirchen, Dromersheim, Duchroth, Eckelsheim, Einöllen, Eßenheim, Eßweiler Tal, Feil, Gangloff, Geisberg bei Steingruben, Gerbach, Ginsweiler, Hanauer Hof bei Dielkrichen, Heiligenmoschel, Heimbach, Hilbersheim, Hinzweiler, Hoferhof, Hoppstädten, Hundsbach, Hüffelsheim, Jeckenbach, Laubenheim, Lauschied, Lettweiler, Lorenziberg, Marenheim, Meckenbach, Medard, Meddersheim, Meinsweiler, Meisenheim, Merxheim, Mölsheim, Münchweiler, Niedermoschel, Niederhausen, Oberhausen, Obermoschel, Ockenheim, Odenbach, Odernheim, Offenbach/Glan, Planig, Ransweiler, Raumbach, Rehborn, Reiffelbach, Roßbach, Roth am Roßberg, Roxheim, Rümmelsheim, Schiersfeld, Schmittweiler, Schweinschied, Siefersheim, Sitters, Stadeck, Stahlberg, Staudernheim, Steingruben, Stolzenberger Tal, Teschenmoschel, Unkenbach, Waldgrehweiler, Weidelbach, Weimbsheim, Winzenheim, Wöllstein.

Verluste/Lücken: Rechnungsbücher teilweise lückenhaft.

Literatur: Otto Redlich: Das Meisenheimer Kirchenschaffnei-Archiv: Sein Ursprung und seine Bestände, in: MEKGR 28 (1934), S. 367-370; Martin Held: Die Kirchenschaffnei Meisenheim (SVRKG 78), Köln 1984.

Ergänzende Archivbestände: 1OB 014 (Stiftsfonds); 4KG 003 (Pfarrei Meisenheim).